Die indischen Umweltschutz-Ikone Vandana Shiva zu Besuch im Landtag

Sie ist Trägerin des alternativen Nobelpreises und zahlreicher weiterer Auszeichnungen, Mitglied des Club of Rome und des Exekutivkomitees des Weltzukunftsrates und berät u.a. die Vereinten Nationen in Ernährungsfragen – die indische Umweltaktivistin und Frauenrechtlerin Vandana Shiva. Am 20. Juni war sie zu Besuch bei der Grünen Fraktion im Landtag NRW. Horst Becker, Parlamentarischer Staatssekretär für die ländlichen Räume, begrüßte Frau Shiva in der Wandelhalle vor dem Plenarsaal des Landtags. So ergab sich die Gelegenheit, die Parlamentarier hautnah während des Abstimmungsprozesses im Plenum zu beobachten, bevor es zu einer Gesprächsrunde mit Grünen Abgeordneten und weiteren Interessierten in den Saal der Grünen Fraktion ging.

Horst Becker und Vandana Shiva

Zunächst konnte Horst Becker den Anwesenden einiges zu den Plänen Vandana Shivas in Deutschland berichten: Sie möchte hier für ihre Allianz „Navdanya“ zur Rettung der Saatgutfreiheit werben. Die Allianz wende sich gegen Patente auf Saatgut und gentechnisch verändertes Saatgut. Auf dem Global Media Forum der Deutschen Welle in Bonn sei Frau Shiva tags zuvor Abschlussrednerin zum Thema „Globalisierung und Werte“ gewesen. Noch am selben Abend stehe eine Diskussion mit Bärbel Höhn in Sankt Augustin zum Thema „Noch ist die Welt zu retten! Mit Grünem Handeln die Zukunft gestalten“ auf dem Programm.

Frau Shiva hatte sodann die Gelegenheit, den Abgeordneten ausführlich über ihr Projekt zu berichten. „Navdanya“ sammele und sichere regionale Sorten in Saatgutbanken in ganz Indien. So sollen biologische Anbaumethoden gefördert und Bäuerinnen und Bauern vor der Abhängigkeit von patentiertem Saatgut geschützt werden. Der Vorrat an öffentlich zugänglichen Saatgutsorten sei rapide gesunken, seit die großen multinationalen Unternehmen durch Patente eine Monopolstellung auf dem Markt hätten einnehmen können. Bäuerinnen und Bauern auf den Dörfern Indiens, die eigenständig Saatgut produzieren, würden so kriminalisiert. Die durch den erzwungenen Erwerb von patentiertem Saatgut erzeugte Verschuldung sei eines der größten Probleme der Landwirtschaft betreibenden Bevölkerung in Indien. Gegen die Monopolstellung der multinationalen Saatgut-Konzerne protestieren Vandana Shiva und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter, zum Beispiel durch die Organisation eines „March against Monsanto“, einer internationalen Unterschriftenaktion und die Einleitung von Verfahren auch vor Europäischen Gerichten. Die gentechnisch veränderten Saatgutsorten, die von den multinationalen Firmen produziert werden, bezeichnet Frau Shiva als eindimensional, nährstoffarm und krankheitserzeugend. Für die Umsetzung einer ökologischen Landwirtschaft brauche es eine Saatgut-Diversität.

Umweltminister Johannes Remmel berichtete anschließend von den Fortschritten, die in NRW in den letzten Jahren im Bereich gentechnikfreies Saatgut erreicht werden konnten. Der Landtag habe 2011 den Beitritt NRWs zum „Europäischen Netzwerk gentechnikfreier Regionen“ beschlossen. Das Netzwerk bezwecke, die Akzeptanz von Produkten aus heimischer Landwirtschaft zu schützen, gentechnisch veränderte Lebensmittel besser zu kennzeichnen und das Recht regionaler Regierungen zu stärken, eigenständig über den Anbau von gentechnisch veränderten Organismen zu entscheiden. Gleichzeitig werde seit dem Beschluss von 2011 bei der landwirtschaftlichen Nutzung landeseigener Flächen auf den Anbau von gentechnisch verändertem Saatgut verzichtet.

Mehr Informationen über die Arbeit von Vandana Shiva erhalten Sie unter:

http://www.navdanyainternational.de/

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