Hitzige Debatte über Milchquote – Wege aus der Krise

Bildquelle: WDR/Peter Hild

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Die Absatzkrise der Milchbauern drückte bei einigen Landwirten spürbar auf die Stimmung. Sie waren am Mittwoch (15.06.2016) in großer Zahl zum WDR5-Stadtgespräch „Pralle Euter, leere Kassen – was rettet Bauern aus der Misere?“ gekommen. „Also, im Moment habe ich die Lust daran verloren, aber ich halte mich an dem Strohhalm fest, dass es eventuell besser wird“, entgegnete eine junge Bäuerin geknickt.

Bereits bei der Frage nach der Ursache der Krise, gingen die Meinungen auf dem Podium auseinander. Josef Peters, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Kleve, machte die Politik mit ihren strengen Auflagen, vor allem aber die weltweit weggebrochenen Märkte verantwortlich. Die Mehrheit sah jedoch vor allem die Überproduktion in Deutschland für den Preisverfall verantwortlich. Der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Roeb von der Universität Bonn-Rhein-Sieg kritisierte die Bauern selbst: „Viele haben ihre Strukturen nicht angepasst und sich nicht auf den freien Wettbewerb eingestellt“.

Einige Landwirte stellten ihr Geschäftsmodell der Selbstvermarktung und des direkten Kundenkontakts vor, mit dem sie der Krise trotzen könnten. Andere Bauern unter den Zuhörern sahen diese Option jedoch skeptisch. Denn würden nun mehrere Höfe in der Region auf Selbstvermarktung umstellen, befürchten sie wegen des dann größeren Angebots wiederum sinkende Preise. Aus Sicht von Josef Peters von der Kreisbauernschaft Kleve müssten die Bauern ihre Marketingstrategien verbessern. Er will auf die Selbstregulierung des Marktes setzen und lehnt eine Reduzierung der Milchproduktion ab.

Horst Becker, Parlamentarischer Staatssekretär beim NRW-Umweltministerium, plädierte dagegen für eine stärkere Regulierung und Kontrolle der Milchproduktion. So solle ein Überangebot verhindert und die Drosselung der Produktion bei den Landwirten an öffentliche Subventionen gekoppelt werden. Dafür wolle sich die NRW-Landesregierung auch beim Milchgipfel in Brüssel Mitte nächsten Monats einsetzen, so Becker. Nach Einschätzung von Wirtschaftswissenschaftler Thomas Roeb könnte eine Reduzierung der Produktion den Milchpreis stabilisieren. Würde man die Produktion künftig immer wieder an Angebot und Nachfrage anpassen, wäre das eine schleichende Rückkehr zu einer Quote. Doch die hatte die EU erst im vergangenen Jahr nach mehr als drei Jahrzehnten abgeschafft.

Quelle: http://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/stadtgespraech-milchkrise-100.html

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