Fischerhof-Umbau zementiert das Talsperren-Aus

In Ingersauel auf dem Talgrund würde es heute nur Blubb-Blubb machen. Dagegen stünde der Fischerhof in Aiselsfeld 20 bis 30 Meter oberhalb der Wasserkante der einst geplanten Naafbachtalsperre.

Trotzdem sollte auch er plattgemacht werden. Wie viele andere Gebäude hatte der Aggerverband ab den 1970er Jahren dieses Haus am Hang von Höffen ins Tal hinab sowie Grundstücke gekauft: in Vorbereitung der Sintflut, die infolge der Staumauer kommen sollte. Die Mauer kam nie, in Ingersauel können die Einwohner nach wie vor ohne Taucherglocke leben.

Und jetzt war der Aggerverband mit Vorstand Lothar Scheuer auch noch fröhlich dabei, als der wie eine Schrottimmobilie wirkende frühere Bauernhof, Baujahr 1890, Geld erhielt zu seiner Sanierung.

Mit Blick ins liebliche naturgeschützte Tal überreichte Volkhard Wille von der NRW-Stiftung einen Förderscheck über 242 000 Euro an die Bürgerinitiative zum Erhalt des Naafbachtals.

Damit, mit 20 000 Euro von der Stadt, weiteren erhofften Spenden und mit viel Eigenarbeit des Vereins wird das heruntergekommene Haus umgebaut zur Anlaufstelle für Naturfreunde, Wanderer, Heimatkundler und die Initiative.

Der Scheck hat eine ganz besondere Bedeutung, wie der NRW-Umweltstaatsekretär und Lohmarer Grüne Horst Becker erläuterte. Er ist neben der längst erfolgten Aufwertung des Tals als FFH-Schutzgebiet so etwas wie ein weiterer Sargnagel für das ungeliebte Talsperrenprojekt.

Gegen das Vorhaben schlossen sich einst die vier Anrainer-Kommunen Neunkirchen-Seelscheid, Overath, Much und Lohmar zusammen. Auch alle Parteien waren dagegen. Der mittlerweile verstorbene Bürgermeister Wilhelm Schulte (CDU Lohmar) verfasste in den 1970er Jahren sogar Gedichte über das schöne Tal und trug sie öffentlich vor. Der Stausee wäre übrigens größer geworden als die Wahnbachtalsperre.

Initiative-Mitglied Frank Miebach stellte die Besonderheit der Scheckübergabe so heraus: „Mit der Haus-Sanierung wird nun zementiert, dass der Aggerverband die Talsperre nicht mehr baut.“

Den Grund, warum ausgerechnet der Aggerverband das nicht sagt, und warum die Talsperre weiter im Gebiets- und im Landesentwicklungsplan steht, konnte Becker nun nach längeren Recherchen erläutern (siehe Abschnitt unten „Stausee bleibt im Plan“).

Miebach ist Projektleiter des Fischerhof-Umbaus, der Lohmarer ist mit 43 Jahren so alt wie die 1973 gegründete Bürgerinitiative. Der Bauingenieur, bekannt durch seine Holz-Stahl-Betonbrücken im benachbarten Aggertal, etwa an der Naturschule Aggerbogen, will aus dem „unscheinbaren Gebäude ein Juwel machen“.

Der Umstand, dass der Fischerhof noch steht, ist auch einem Anwohnerprotest zu verdanken. In dem Bau wohnten Anfang der 1990er Jahre Übersiedler. Danach ließ der Aggerverband einen Bagger anrollen. Doch die heutige Initiative-Vorsitzende Irmhild Schaffrin, Brigitte Bäcker-Gerdes, beide Grüne, und der damalige SPD-Bürgermeister Rolf Lindenberg stellten sich schützend vors Haus. Das herbeigeeilte Trio hatte Erfolg. Der Bagger rollte tatsächlich weg und kam nie wieder.

Im Grunde ist der Stausee-Plan zur regionalen Trinkwasserversorgung mit der Festsetzung des Tals als hoch schützenswertes europäisches FFH-Gebiet vor Jahren gestorben. Aber halt! Als die Talsperre 2005 von der Region aus dem Gebietsplan gestrichen wurde, legte das Land direkt ein Veto ein.

Regierungspräsident Jürgen Roters, Nachfolger des großen Fans von Teewasser aus dem Rhein-Sieg-Kreis, RP Franz-Josef Antwerpes, argumentierte damals: Wegen des Klimawandels (feuchte Winter, lange trockene Sommer) müsse man am Naafbachtal als Reserve für die Wasserwirtschaft festhalten. Dass der einst zum Talsperrenbau prognostizierte Verbrauch von 200 Liter Trinkwasser pro Tag und Person nie eintraf (2013 waren es in Lohmar 109 Liter am Tag), verschwieg er.

Es gibt aber noch einen ganz anderen Grund, der das große Geheimnis um die Talsperre am besten lüftet. NRW-Umweltstaatssekretär Horst Becker aus Lohmar erläuterte nach eigenen Recherchen, dass es nicht unerheblich um Finanzen geht.

Der Aggerverband hat im Auftrag des Landes 34 Millionen D-Mark (17 Millionen Euro) als Fördermittel für Talsperrenplanung und Grundstückskauf ausgegeben. Er muss deshalb den Landesrechnungshof fürchten.

Gibt der Verband von sich aus den Stausee-Plan auf, müsste er alles zurückzahlen, mit Wertsteigerung über Jahrzehnte. Damit wäre er schnell pleite. So weiß jeder beim Aggerverband, dass die Talsperre tot ist, nur soll das ja keiner sagen. (ca)

Quelle: http://www.ksta.de/25481970 ©2017

Die Kommentare sind geschlossen.